Brauchen MMOs mehr Mitbestimmung?
Ab sofort findet ihr hier in regelmäßigen Abständen unsere Gedanken über die Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart von MMOs. Gedanken, Ideen und Betrachtungen also, wie es ist und wie es wird. Oder werden könnte. Alles ist, wie immer, natürlich streng subjektiv.
MMOs sind groß, sie sind offen, sie nehmen jeden auf. Aber wenn MMOs eines nicht tun, dann ihren Nutzern Möglichkeiten zur Weltengestaltung geben. Sie leben zwar von ihnen, geben ihnen zugleich aber kaum Möglichkeiten, aktiv und nachhaltig in relevante Punkte wie Ökonomie oder Politik einzugreifen. Und wenn, können diese durch Spieler induzierte Änderungen bei Missgefallen schnell wieder rückgängig gemacht werden. Das Internet hingegen hat mit dem Web 2.0 eine neue Stufe der Nutzung erklommen, der User ist jetzt Macher und damit auch Bestimmer. Müssen Spieler also ebenfalls mehr Veränderungsmöglichkeiten bekommen?
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MMOs werden von Publishern, Entwicklern und Game Mastern gelenkt. Das ist auch gut so. Denn es funktioniert, und das schon seit Jahrzehnten. Um ein Spiel zu lenken, es in den richtigen Bahnen zu halten, eine Geschichte zu erzählen, braucht es eben einen guten Leiter. Schon damals, bei Kerzenschein, Wein und Würfeln, sprich beim guten alten Pen’n'Paper, war das nicht anders. Dort fungierte der Game Master als alles überschattende, heißt leitende Entität, er machte das Spiel, er bestimmte, natürlich nach Handbuch, die Regeln. Nach diesem bekannten Muster funktionieren RPGs bis heute.
Auf der anderen Seite erlauben MMOs wie Second Life den Usern immer mehr Interaktivität und Kontrolle. In SL kann der Spieler weitestgehend selbst bestimmen, was er mit seinem Grundstück macht. Der Hersteller macht nur die übergeordneten Regeln, alles andere kann von den Usern selbst erdacht werden. Aber auch hier kann der Hersteller rigoros eingreifen, sollten ihm Inhalte allzu fragwürdig oder politisch inkorrekt sein. Dennoch, soweit sind Rollenspiele noch nicht: In MMORPGs können beispielsweise Kriege zwischen einzelnen Fraktionen auch schon mal die Zugehörigkeit einzelner Städte bestimmen. Diese werden, früher oder später, aber so oder so wieder an die Ursprungsfraktion zurückgehen. Oder, wie im Fall von Aion, schicken die Entwickler einfach eine dritte Rasse ins Geschehen. Diese wird vom PC gesteuert und hilft der aktuell unterlegenen Seite.
Single Player Games hingegen wie das in Kürze erscheinende Little Big Planet oder das seit kurzem erhältliche Spore geben dem Spieler schon jetzt deutlich mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung in die Hand. Eigentlich ironisch.
Internet Beta
Und dann das Internet und seine unendlichen Weiten. Kaum noch eine Seite, die nicht den hehren Selbstbestimmungsanspruch an die User hat hat, keine, wo der User nicht den gesamten Content selbst bestimmt. Aber auch kaum eine, bei der nicht “Beta” neben dem Logo steht. Das Internet ist weniger Web 2.0, es ist viel mehr von der Final Version zurück in die Beta gerutscht. Ist es also immer gut, wenn der User auch der Macher ist? Interessant wäre also, inwieweit sich diese Veränderung des Netzes auch auf MMOs übertragen ließe. EVE Online hat als eines der wenigen Spiele aus diesem Bereich eine weitgehende Mitbestimmung der User auf Ökonomie und Politik zugelassen. Die virtuelle Welt von EVE Online war also auf Gedeih und Verderb den Spielern überlassen. Blöderweise haben dennoch ein paar Angestellte des Entwicklers CCP versucht, dieses System zu manipulieren. Schlecht. Dafür dürfen Spieler nun ein Gremium wählen, welches ihre Interessen vertritt. Besser.
Ist mehr Mitbestimmung immer gut?
Müssen MMOs also den Spielern mehr Möglichkeiten geben? Ich glaube: Nein, müssen sie nicht. Auch wenn hier sicherlich zwischen MMOs wie Second Life und MMORPGs wie WoW unterschieden werden muss. In SL kann ein mehr an Möglichkeiten sicherlich nicht schaden. Rollenspiele müssen aber geführt werden, sie müssen eine Geschichte erzählen, ansonsten sind es keine Rollenspiele. Und ohne Leiter wird bei teils Millionen von Spielern wie in WoW keine vernünftige Geschichte erzählt werden können. Gerade bei so vielen Spielern wäre ein völliger Kontrollverlust seitens der Entwickler wahrscheinlich sogar das Aus für das Spiel. Deshalb ist die Idee der Macher von Aion, eine dritte Rasse einzuführen, sehr gut. Denn so kann einigermaßen unauffällig das Geschehen der Welt in Waage gehalten werden.
Bei Games wie Neverwinter Nights mag das Storytelling durch Hobbyentwickler funktionieren. Ob dies auch für ein WoW umgesetzt werden könnte, erscheint doch mehr als fraglich.
Oder?




















