Alles umsonst! Oder nicht?
Umsonst ist immer gut. Denken sich auch einige der Entwickler von Online-Spielen. Und produzieren fleißig Nachschub für all die Drachentöter, Seefahrer und Raumfahrer da draußen. Denn viele Spieler wollen MMOs spielen, aber bitte nichts dafür bezahlen – das zumindest ist das Ergebnis einer Studie der Marktforscher von Parks Associates.
Über 2000 Spieler wurden befragt, und von den 14%, die momentan kein Online-Rollenspiel zocken, wären nur 2% bereit, für eins zu bezahlen. Hat das Abo-Modell also endgültig ausgedient? Was wollen wir Spieler überhaupt? Ist World of Warcraft eines der letzten erfolgreichen Spiele einer aussterbenden Art? Mitnichten, denn die Studie präsentiert zwar nette Zahlen, sagt im Kern allerdings doch recht wenig aus.
Erstens: Woher kommen die 14%? Ist es eine repräsentative Zielgruppe? Wie ist die Studie überhaupt aufgebaut? Die Frage: “Würden sie eher ein kostenloses Spiel nutzen, oder lieber dafür bezahlen?”, wäre zumindest fragwürdig. Dennoch, der Markt für Online-Spiele ist hart umkämpft, und immer mehr Games balgen darauf um die Gunst der Spieler. Stehen wir also vor einem kompletten Modellwechsel? Yuanzhe Cai, Parks Associate’s director of broadband and gaming, sagt dazu:
“World of Warcraft, with over 10 million players, exceeded expectations for subscription-based MMORPGs, but it’s unlikely any other publishers will achieve the same in the near term using a subscription model.”
Damit lehnt er sich allerdings gefährlich weit aus dem Fenster. Sicher, die Barrieren für Casual-Gamer sind bei den teilweise ultra-komplexen Online-Rollenspielen einfach zu hoch. Dazu kommen der hohe Zeitfaktor und natürlich die Kosten. Nichts für jedermann also.
Aber, wie sind denn dann die 10 Millionen Spieler zu erklären? Wie der Erfolg von Guild Wars, Lord of the Rings Online? Der Hype um Warhammer Online? Mit dem großen Namen? Mit der Qualität?
Hat man sich einmal dafür entschieden, monatlich seine Kreditkarte für ein Spiel zu zücken, dann tut man dies normalerweise aus gutem Grund und bleibt auch längere Zeit bei dem Spiel der Wahl. Bei kostenfreien Games hingegen kann man ohne Probleme ein paar Stück am Tag ausprobieren, bis man das Richtige gefunden hat. Oder auch nicht.
Das ist auf der einen Seite zwar nett für die Spieler, den Games tut diese Fluktuation allerdings oft weniger gut. Die Zahl an toten Accounts ist bei kostenlosen Spielen immens. Von den Spielern, die sich in einem Fantasy-Rollenspiel z.B. „Noob0rkiller“ nennen, pöbeln und den “echten” Spielern das Erlebnis versauen, ganz zu schweigen. Das sind auch zwei der Hauptargumente der Abonennten, die niemals ein gratis Online-Spiel anfassen würden. Manche, eher ernsthafte Spiele, verlangen vor der Anmeldung eine Biographie des Spielercharakters. Eine gute, allerdings auch sehr aufwendige Methode, Rollenspiel-Nomaden von Gratisspielen fernzuhalten.
Sind also kostenlose Onlinespiele die Zukunft, und das Abo-Gaming nur ein vorsintflutliches Auslaufmodell? Oder wird die Qualität großer Spiele am Ende siegen? Es ist, wie so oft, beides der Fall. Denn die Spielergemeinde ist klassisch in zwei Lager aufgeteilt – die Hardcore- und die Casual-Gamer. Auch wenn diese Begrifflichkeiten im Laufe der letzten Zeit vielleicht etwas überstrapaziert wurden – man wende den Blick hinüber zur Diskussion um die Wii – existieren diese Fraktionen doch unbestreitbar. Und ebenso wenig wie sich ein Gelegenheitszocker in die Tiefen von World of Warcraft oder LotR Online begeben würden, würden sich Hardcore-Spieler mit einem einfachen Browser-Titel zufrieden geben.
Dabei gibt es viele Überlegungen, das klassische Bezahlmodell umzuändern. Die Idee, sich über den Verkauf von Bonusgegenständen in einem ansonsten kostenlosen Spiel zu finanzieren, findet immer mehr Anhänger unter Entwicklern wie Spielern. Auch Modelle, die vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen wären, haben langsam Einzug in den Köpfen gehalten. So sind legale Itemmärkte kein Unding mehr, sondern längst legitim.
Am Ende ist es also eigentlich alles klar: Wir Spieler wollen nicht entweder oder – wir wollen beides. Egal ob umsonst oder nicht, beide Varianten werden ihre Fans finden. Eines Tages wird auch World of Warcraft einen Nachfolger finden. Und dann ist es egal, ob dieser etwas kostet oder nicht.
Hauptsache die Qualität stimmt.[via WorldsInMotion]







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